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Erneuerbare Energien

Unter Strom – Die Energiewende wendet das Blatt

Der Zugang zu Energie ist für die meisten Menschen in der Europäischen Union selbstverständlich. Lange Zeit waren fossile Brennstoffe Energielieferant und Wachstumsmotor der Industriestaaten. Sie galten als unerlässlich für die Mehrung des Wohlstands. 

Seit der Finanzierung eines der ersten Windräder in Deutschland im Jahr 1987 durch die GLS Bank hat sich dies grundlegend geändert.

Unser Kreditvolumen im Jahr 2021 in der Branche Erneuerbare Energien:

1.355,0 Mio. Euro (entspricht 30,6 % vom Gesamt-Kreditvolumen der GLS Bank)

Energiewende ist Kulturwandel

Klimakrise, technologischer Fortschritt und politisch-regulatorische Anreize haben die erneuerbaren Energien als zukunftsweisende Lösung der Energieversorgung an die erste Stelle gesetzt. Die Energiewende ist in Deutschland beschlossene Sache. Der Atomausstieg wird bis Ende 2022, der Kohleausstieg bis spätestens 2038 vollzogen sein. Auch wenn letzterer unserer Meinung nach deutlich früher erfolgen könnte und über das „Wie“ heftig gestritten wird. Die Neugestaltung des Energiesektors hin zu einer dezentralen, bürgernahen, umweltverträglichen Versorgung ist vielerorts auf dem Weg. Aber geht das alles schnell genug?

2021 lag der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix laut Umweltbundesamt bei 41,1 %1– und sinkt damit im Vergleich zum Jahr 2020 deutlich um 4,1 Prozentpunkte, obschon der Trend in die entgegengesetzte Richtung gehen müsste. Denn: Die Ampelregierung will laut Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP den Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien bis 2030 auf bis zu 80 % steigern.

Immer lauter fordern weite Teilen der Wirtschaft und Zivilgesellschaft eine schnellere Dekarbonisierung des Energiesektors. Bürger*innen haben in Eigeninitiative viele genossenschaftliche, dezentrale Windkraft- und Photovoltaikanlagen geschaffen. Parallel dazu stellen große Energiekonzerne schrittweise ihre Geschäftsmodelle um und kooperieren mit bürgernahen Energieprojekten. Eine Neugestaltung des Energiesektors hin zu einem dezentralen, bürgernahen Ökosystem ist somit vielerorts bereits Realität. Parallel dazu stellen große Energiekonzerne schrittweise ihre Geschäftsmodelle um und kooperieren mit bürgernahen Energieprojekten. Das stimmt hoffnungsvoll.

Der Netto-Zubau von Windkraftanlagen im Jahr 2021 (1,7 Gigawatt)2 ist im Vergleich zum Rekordjahr 2017 (4,8 Gigawatt Netto-Zubau)3 um fast 65 % gesunken. Gründe dafür sind die weiterhin vorhandenen Abstandsregelungen, ein problematisches Fördersystem und lange Genehmigungs- bzw. Klageverfahren. Um das bisher formulierte 65-Prozent-Ziel für erneuerbare Energien der Bundesregierung bis 2030 zu erreichen, müssten beispielsweise Windkraftanlagen mit einer Leistung von jährlich mindestens 4.000 Megawatt Onshore4 neu errichtet werden. Im Hinblick auf das ambitioniertere Ziel der Ampelregierung (80 % Anteil erneuerbare Energien am Strombedarf bis 2030) müsste der jährliche Zubau voraussichtlich noch deutlich zulegen.

Und in dem ganzen Hin und Her kommt als Wiedergänger der Diskurs um die „positive Klimawirkung“ der Atomenergie. Könnte nicht die vermeintlich „emissionsfreie“ Kernkraft schneller und günstiger dazu beitragen, den CO2-Ausstoß zu mindern als der Neubau von umweltverträglicheren Kraftwerken? Der enorme Druck auf Politik und Gesellschaft führt nicht nur zu einem Umdenken, sondern auch zu einem Rückwärtsdenken.


Rolle rückwärts in der Energieversorgung?

Die Debatte um die Energiewende birgt politischen und sozial-ökologischen Zündstoff. Obwohl 2021 83%5 der Bevölkerung für einen stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energien stimmten, organisierten sich gleichzeitig immer mehr Bürger*innen gegen Windkraftanlagen oder gegen neue Oberleitungstrassen, besonders in der Nähe von Wohngebieten. Windräder und teilweise auch Solaranlagen brauchen zudem viel Fläche. Sie verändern die (Kultur-)Landschaft tiefgreifend, die für viele auch einen kulturellen Wert besitzt. 

Die Herausforderung liegt darin, Kulturverständnis, Umweltschutz, Naturschutz und den Ausbau erneuerbarer Energien zu vereinen und eine Annäherung an die Bürger*innen zu finden. Die so genannte „Not-in-my-Backyard-Einstellung“ erschwert die Transformation der Energiewirtschaft hin zu einer nachhaltigen, dezentralen Energieversorgung. Hier braucht es Vermittlung und Akzeptanzschaffung.

Die Energiewende bedeutet mehr als einen Strukturwandel durch wegfallende Arbeitsplätze in den großen Kohleregionen Deutschlands. Die Abkehr von der Kohle bedeutet deshalb einen tiefgreifenden landschaftlichen und sozialen Kulturwandel.

Audio-Inhalt: Branchenkoordinator Christian Marcks über erneuerbare Energien bei der GLS Bank

Unser Zukunftsbild Erneuerbare Energien

Unter diesen Vorzeichen finanziert die GLS Bank seit 1987 Erneuerbare Energien. Wärme- und Stromversorgung ist ein menschliches Grundbedürfnis. Unser Kernanliegen ist es, einen solidarischen und auf dieses Grundbedürfnis ausgerichteten Markt zu gestalten. Um Energiesysteme neu zu denken, brauchen wir nicht nur einen Ausbau der Erneuerbaren Energien. Wir brauchen nachhaltige Qualitäten eines partizipativen Wirtschaftsmodells und innovative Technologien. Wir wollen den Energiemarkt solidarisch, partizipativ, dezentral gestalten. Wir wollen den schnellstmöglichen Ausstieg aus Kohle und Atomkraft. Für all das brauchen wir Mitstreiter*innen.

So denken wir gemeinsam die Zukunft, verstehen was es für die Umsetzung unserer Zukunftsbilder braucht und finden Wege unseren Gestaltungsanspruch zu stärken und gemeinschaftlich in die Tat umzusetzen. Gestalten Sie mit und geben Sie uns Feedback, für eine Zukunft, die wir wollen.

Erfahren Sie mehr über die Auswertung unserer Wirkindikatoren für das Zukunftsbild Erneuerbare Energien für unser Geschäftsjahr 2021 im Kapitel Wirkung unter „GLS Wirkungstransparenz“.

Ausbau Erneuerbarer Energien:

Bewirkt: In 2021 zusätzlich installierte Nennleistung Erneuerbare Energien: 120,4 Megawatt. Davon entfallen 77% der Leistung auf Photovoltaik und 23% auf Windenergie. Mit dem Zubau an Photovoltaik könnten umgerechnet 15.471 Einfamilienhäuser mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet werden.

Dezentral:

Bewirkt: Absoluter Anteil Vermarktung Marktprämienmodell der jährlichen Erzeugung: 87%.

Innovation & Effizienz:

Bewirkt: 5% der neu-finanzierten Projekte nutzen gezielt Maßnahmen hinsichtlich Förderung Pilotprojekte, Forschung und Aufklärungsarbeit.

Bürgernah:

Bewirkt: Natürliche Personen – also Bürger*innen insgesamt und unabhängig ihres Wohnorts – stemmten 2021 gut 46% der eingebrachten Eigenmittel – institutionelle Großanleger, wie bspw. Rentenfonds stemmten hingegen lediglich 4%. Der übrige Anteil von 50% entfällt auf kleine und mittelständische Unternehmen (KMU).

Akteursvielfalt:

Bewirkt: Bei unseren Wind- und Photovoltaik-Projekten besitzen natürliche Personen – also Bürgerinnen und Bürger – durchschnittlich knapp 60% der Stimmrechte.

Hinweis

Seit dem 1. Januar 2020 ist die Wirkungstransparenz im Kreditbereich der GLS Bank fest verankert. Zugeschnitten auf das jeweilige Geschäftsmodell und die Branche, erfassen unsere Berater*innen gemeinsam mit den Firmenkund*innen die entsprechenden Wirkungsdaten. Dabei beruhen einige Wirkungs-Datenpunkte auf Schätzungen bzw. auf der Einschätzung der Firmenkundenberater*innen. Im Jahr 2021 konnten wir bereits für etwa die Hälfte der Neukredite die sozial-ökologische Wirkung systematisch erfassen. Diese vorläufigen Ergebnisse der Wirkung im Jahr 2021 werden wir Mitte des Jahres 2022 aktualisieren und an dieser Stelle kommunizieren. Ebenso können wir dann auch unsere Wirkung im Jahresvergleich betrachten.

1 Vgl. Umweltbundesamt, Erneuerbare Energien in Zahlen, 2022

2 Vgl. BWE Bundesverband WindEnergie, Ausbauzahlen für das Gesamtjahr 2021 in Deutschland Windenergie an Land: Maßnahmen für beschleunigten Ausbau wirksam umsetzen, 2022

3 Vgl. BWE Bundesverband WindEnergie, Ausbauzahlen für das Gesamtjahr 2017 in Deutschland Windenergie an Land: Starker Zubaupfad im Übergangsjahr, EEG reparieren und Klimaschutz stärken, 2018

4 Vgl. Agora Energiewende (2018): Stromnetze für 65 Prozent Erneuerbare bis 2030. Zwölf Maßnahmen für den synchronen Ausbau von Netzen und Erneuerbaren Energien

5 Vgl. Agentur für Erneuerbare Energien, Akzeptanzumfrage 2021: Klimapolitik - Bürger*innen wollen mehr Erneuerbare Energien, 2021